INNOVATIVES NETZWERK FÜR WELTWEITES WIRKEN

Ohne Rohstoffe keine nachhaltige Entwicklung - Resumee vom 11. Sächsischen Rohstofftag

An nunmehr schon traditioneller Stelle, im Dresdner Taschenbergpalais, begrüßte Vorsitzender GKZ Dr. Hendrik Gaitzsch vor allem die Jugend, die mit Schülern des Berufsschulzentrums BSZ Julius Weisbach in Freiberg zahlreich vertreten war. Er hob die Bedeutung der bergmännischen und geotechnischen Ausbildungsgänge des BSZ für die Fachkräftesicherung hervor. Dr. Dirk Orlamünder,Abteilung 4 – Digitalisierung, Energie, Bergbau und Marktordnung des Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, griff in seinem Grußwort der Staatsregierung die Notwendigkeit der Heranführung der jungen Menschen an rohstoffwirtschaftliche Berufe auf und betonte, dass es hierfür auch wichtig sei, frühzeitig Rohstoffbewusstsein zu fördern. Die Staatsregierung hat hierzu im Kontext der nun auch in englischer Sprache vorliegenden Sächsischen Rohstoffstrategie eine Reihe von Maßnahmen geplant, wie zum Beispiel eine Informationsplattform Rohstoffwirtschaft für die Schule und die durch das GKZ mit dem Chemnitzer Industriemuseum für 2018 geplante Ausstellung Rohstoffwirtschaft Sachsen. Im Hinblick auf die von der EU ausgewiesenen Forderung der Erhöhung des Industrieanteils an der Wertschöpfung von 20% sei ohne eine sichere Basis von Rohstoffen und Fachkräften nicht leistbar. Sachsen haben hier auch seinen Ruf als Technologiestandort zu halten. Insofern geht die geplante Industriestrategie nicht ohne Rohstoffsicherung und damit nur im Zusammenspiel mit der Rohstoffstrategie. Am Beispiel des Rohstoffbedarfs zum Erreichen der Energiewende, die ganze Jahresproduktionen an kritischen Rohstoffen nach Deutschland lenken müßte, fragte Orlamünder, wie solche einschneidenden Großvorhaben mit entsprechender Rohstoffsicherung untersetzt werden.

Fotos: Oben: Erste Reihe vlnr: Vorstandsvorsitzender GKZ Dr. Gaitzsch, Dr. Orlamünder und Dr. Jantsch (SMWAV), Prof. Dr. Cramer (Sächsisches Oberbergamt und Vorstand GKZ). Unten: Wie jedes Jahr informierten sich Schüler des Berufsschulzentrums Julius Weisbach aus Freiberg, hier zusammen mit Dr. Sebastian (3.vr)

Auf den Zeitfaktor machte Manfred Jäkel vom GKZ Mitglied BUNG Ingenieure AG im Plenarvortrag zu „Erfahrungswerte im Engineering und Eisenbahnbetrieb in Langstreckentunneln – Besondere Anforderungen an Konzeption, Bau und Ausrüstung“, aufmerksam. Zeiträume von Jahrzehnten in der Planung bis zum Bau bei Tunnelbauprojekten im mittleren Maßstab machten sich nicht nur an geänderten rechtlichen und fachlichen Vorschriften fest, wie zum Beispiel durch die Anpassung an technische Vorgaben (Brandschutz), trotz Fortschritte in der Technik. Ein nicht zu unterschätzender Aufwand liegt darin, dass die Öffentlichkeitsarbeit immer mehr Zeit beansprucht. Im selben Vortrag stellte Eckert Fritz vom IFB Institut für Bahntechnik GmbH die technischen Herausforderungen des Absenktunnels Fehmarnbelt vor, einem Projekt vergleichbar mit dem des Erzgebirgstunnels der geplanten Schnellbahnstrecke Dresden-Prag. Auch hier spielte die Öffentlichkeitsarbeit eine wesentliche Rolle, in denen sich frühzeitig besonders KMU sich in „Industry Days“ vorstellen und mit den „Fehmarnbelt days“ ein Format entwickelt wurde, das auf breiter Ebene Gegner wie Befürworter zusammenbringt.

Mitglied des Beirates GKZ und Vizepräsident BGR Dr. Volker Steinbach stellte seinen Vortrag unter das Motto „Rohstoffe – Grundlage technischer Entwicklungen“. Er machte anhand zahlreicher Schlüsseltechnologien die Bedeutung auch der einheimischen Rohstoffe deutlich. So besteht z.B. ein Rotorblatt einer Windmühle zu 70% aus Quarz. Auch die Rückgewinnung kennt Grenzen, besonders dort, wo ursächlich in der Primärerzverhüttung – wie am Beispiel Kupfererz – Beiprodukte über das Recycling nicht mehr rückgewonnen werden können. Mit der Studie „Rohstoffe für Zukunftstechnologien 20162 https://www.deutsche-rohstoffagentur.de/DERA/DE/Downloads/Studie_Zukunftstechnologien-2016.pdf?__blob=publicationFile&v=3 , die die BGR beim Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI in Auftrag gibt, liegen recht neue Daten zu den Trends der Entwicklung von Zukunftstechnologien und ihr Rohstoffkonsum bis 2035 vor. Dabei spielt auch Recycling eine große Rolle. Bei Aluminium, Kupfer und Rohstahl werden in Deutschland bereits hohe Recyclingquoten erzielt.

Oberberghauptmann und Vorstand GKZ Professor Bernhard Cramer warnt in seinem Vortrag „Deutschland und seine Rohstoffversorgung – Matte Wetter für den heimischen Bergbau“  davor, sich vom Wort „Bergbau“ zu verabschieden. Im Kontext der Attributierung des Wortes mit Negativmeldungen sei es zur Gewohnheit geworden, das Wort Bergbau zu umschreiben. Bergbau dürfe hier in seiner Notwendigkeit als der Teil der Gewinnung natürlicher Ressourcen nicht negativ besetzt werden. Findet die Gewinnung unserer Rohstoffe schlussendlich nur noch im Ausland statt, würden die Probleme des Bergbaus exportiert werden. Zudem würde Bergbau zunehmend nicht als Industrie gesehen und der Schwerpunkt – besonders im Falle des Braunkohlenbergbaus - in den Medien auf Klimadiskussion und Umsiedlung beschränkt. Der Oberberghauptmann erinnerte auch daran, dass Sachsen über einen sehr leistungsstarken Steine&Erden-Bergbau verfügt. Leider ist auch eine Verschärfung der rechtlichen Rahmenbedingungen festzustellen, was auch zu einer längeren Genehmigungszeit und damit auch ggfs. Industrieller Belastung führe. Nach Cramer hat sich das Berggeschrey in Sachsen weiter verstetigt. Er geht von einer kontinuierlichen Weiterentwicklung aus und hält die vergangene Entwicklung der letzten Jahre für eine Bereinigung. Große Sorgen machte das Standortsicherungsgesetz (zur Auswahl eines nuklearen Endlagerstandortes). Die Veränderungssperre über ganz Deutschland mit den sechs Erkundungsschritten zur Festlegung eines Standortes durch den Bundestag schränkt die Entwicklung neuen Bergbaus ein. Er macht auf den langen Zeitraum der Festlegung aufmerksam, der bei bestimmten Gebieten bis zu 30 Jahre dauern kann, in dem nur über Sondergenehmigungen im Bereich Bergbau aber auch Geothermie gearbeitet werden kann. Cramer zitierte aus dem Verfahrensprozess, dass als geologische Zielgröße des Endlagers insbesondere die kristallinen Gesteine herausgestellt werden. Damit fällt ein Großteil von Sachsen in die hierzu geforderte Einvernehmenspflicht. Die rechtlichen Rahmenbedingungen verschöben sich auch damit zuungunsten eines Bergbaus im Kristallin und damit in Sachsen. Die Sächsische Staatsregierung versuche ihr Möglichstes, dem entgegenzuwirken.

Michael Neumann, Leiter Forschung und Entwicklung bei Nickelhütte Aue, gab in seinem Vortrag „Beiträge des Metallrecyclings zur nachhaltigen Entwicklung“ Beispiele innovativer und ökologisch sauberer Verfahren des MEtallrecyclings. Mit einem Jahresumsatz von 150 Millionen Euro blickt die Nickelhütte Aue auf eine fast 400jährige ununterbrochene Firmengeschichte zurück. Sie bietet heute vor allem Spezialleistungen im pyro- und hydrometallurgischen Recycling an, wie zum Beispiel die von fetthaltigen Nickelkatalysatoren aus der Margarinefetthärtung. Die hohe Oberfläche des Katalysators bei der eine stark thermische Reaktion bei der Reinigung einsetzen würde, bedarf der Verarbeitung in einem Drehrohrofen zur Oxidation des Nickels. In dieser Form wird das entstehende Produkt an die Stahlveredler verkauft. Eine umweltgerechte Produktion von Kupfersulfat für galvanische Zwecke erfolgt unter intelligenten Transportabläufen am Standort. Seit 1990 haben Investitionen von über 100 Millionen Euro in die Abgasreinigung am Standort zu einer hohen Akzeptanz der Einwohner von Aue geführt. Neumann verweist diesbezüglich auch auf das umfangreiche Sponsoring und die Unterstützung der Bevölkerung zum Gemeinwohl in Aue. Sorgen macht ihm der hohe Genehmigungsaufwand, der „früher eher nebenbei her ging“. Heute sind mit der Umweltprüfung und anderer Genehmigungsfragen allein fünf Vollzeitingenieure beschäftigt, nicht zu vergessen auch die korrespondierenden Arbeitsplätze auf behördlicher Seite.

MdB Dr. Alexander Krauß führte in seinem Vortrag über die „Rohstoffwirtschaft und das Gemeinwesen im Erzgebirge“ auf die Auswirkungen des Bergbaus auf die Zivilgesellschaft und umgekehrt ein. Er lobte das gesetzlich festgelegte Eigentümermodell an Grundstoffen in Deutschland und skizzierte die politische Debatte in Deutschland im parteipolitischen Gefüge. Dabei deutete er an, wie wichtig Detailwissen im Umgang mit Umwelt und Rohstoffwirtschaft ist und wie sehr in der Reformierung des deutschen Bergrechts hier die Parteipolitik Einfluss nehmen kann. Dabei sei der Einfluss von Minderheiten nicht zu unterschätzen. Bezogen auf die Frage des Image des Bergbaus gäbe es große Unterschiede zwischen der gefühlten und medial vermittelten Meinung. Daneben existiere ein doch relativ breites Desinteresse in der Öffentlichkeit überhaupt. Deshalb sei weitere Aufklärung umso notwendiger.

Oliver Fox vom Unternehmerverband Mineralische Baustoffe UVMB in Leipzig zeigte in seinem Vortrag „Biodiversität im Steine-Erden-Bergbau – vom Einzelbeispiel zur Normalität“ die vielfältigen Facetten seines Berufes, eigentlich seiner Berufung als Biologe in einem Bergbaumetier. Seine Arbeit vor Ort zwischen Abbau und Naturschutz läge zwischen Akzeptanz und offener Abneigung. Er bescheinigte für Deutschland, dass das Ziel des Erhalts der Biologischen Vielfalt in der EU – unabhängig von Schutzgebieten – in vollumfänglicherweise als gesichert gelten kann.  Dennoch zeigt allein die Entwicklung abgeworfener Bergbauflächen eine komplexe Entwicklung zwischen Einzelbestimmungen des Bundesnaturschutzgesetzes auf, wie Fox sehr illustrativ an der Besiedlung einer Schilffläche (hervorgegangen aus Abbaurestflächen) durch die Kreuzkröte. In Anlehnung an die Landwirtschaft wird gegenwärtig untersucht, inwieweit die Grundsätze der „Guten Fachlichen Praxis“ auch für den Rohstoffabbau geltend gemacht werden können. Die Einsicht, dass sich Abbau und Artenschutz einander ergänzen, würde sich zunehmend auch bei Umweltschützern durchsetzen. Für Betriebe sei die Rechtssicherheit hingegen wichtig. Dazwischen sei zu unterscheiden zwischen Gruppendenken und Ausbrechen aus dem Pro- und Kontralager. Dr. Steffen Wiedenfeld, Hauptgeschäftsführer UVMB und Vorstand GKZ verwies auf die Notwendigkeit des Aufbrechens von Fronten und darauf, die die Produzenten zu couragieren, auf die Artenvielfalt im Gefolge von Bergbau hinzuweisen.

Bergbaufolgelandschaften als neue Chance für Wirtschaft und Gesellschaft, darauf machte Professor Andreas Berkner vom Regionalen Planungsverband Leipzig aufmerksam. Ein Stein des Dialogs (im Bild ein als Denkmal gesetzter Findling) – platziert an historischer Stelle intensiver Auseinandersetzung um die Fortsetzung und Weiterentwicklung des Leipziger Südens unmittelbar nach der Wende ist nicht nur Zeichen des wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Kraftakts in der Rekultivierung der Braunkohlenrestflächen, sondern auch des wiedergewonnenen Konsenses und der Integration unterschiedlicher Ansichten in einem gemeinsamen Schaffensprozess. Mit Blick auf den diskutierten Ausstieg aus der Braunkohle wies er darauf hin, dass die Rekultivierung Teil des Geschäftsprozesses ist und ein plötzlicher Ausstieg dieser die finanziellen Mittel entziehe. Daran würde viel zu wenig gedacht werden, sei aber auch ein Ergebnis einer immer mehr zu beklagenden  Wahrnehmungsasymmetrie, wie er sagte. Diese ergäbe sich durch eine große schweigende Masse gegenüber einer gut organisierten und lautstarken Minderheit. Dabei betreffen Strukturwandel weit mehr Menschen vor Ort als diese sich artikulierten. Nach dem ersten Strukturwandel in der Region nach der Wende, ist für Berkner langfristig ein zweiter nicht auszuschließen. Rückblickend hat die Wahrnehmung und Nutzung der durch die Rekultivierung für die Stadt Leipzig entstandenden Erholungsflächen der Kommune auch Aufgaben gestellt, damit umzugehen. Zu bedauern sei in diesem Zusammenhang auch eine Entwicklung, mit den neu entstandenen Flächen Naturschutz und Naturerleben einander auszuschliessen. So führe die Unterschutzstellung großer Flächen unter Natura 2000 fast hin bis zum Totalreservat und schränke damit den Erholungswert wiederum ein.

In der abschließenden Podiumsdiskussion wie Professor Friedrich Wellmer, Präsident aD BGR Hannover, darauf hin, dass es darauf ankommt, wieder neue Strukturen auch mit staatlichem Anschub zu schaffen, die langfristig daran mitwirken können, eine deutsche Rohstoffversorgung sicherzustellen und aktiv gegen globale, politisch motivierte Preisdiktate vorzugehen. Es wäre wünschenswert, wenn dieser Gedanke in den derzeitigen Koalitionsverhandlungen aufgegriffen werden sollte. Geschäftsführer Verein Bergbau und Rohstoff Dr. Diercks sieht die Rohstoffpolitik in den Verhandlungen als relativ unkritisch. Journalist Tilo Berger findet, dass der Bergbau gar kein Image hat, was – im Hinblick auf seine fundamentale Bedeutung – allein schon ein Problem ist. Es gäbe aus seiner Sicht zu wenige Initiativen hierzu. Zum diskutierten Braunkohleausstieg gab er zu bedenken, dass Deutschland auch mit der Abschaltung seiner Kohlekraftwerke nicht einen Trend würde stoppen können, der den weiteren Ausbau der Kohleverstromung in der Welt (genannt sind hier bis zu 1500 in Planung befindliche Kohlekraftwerke) aufhält. Frau Hermenau, Ex-Fraktionsvorsitzende der Grünen im Sächsischen Landtag, empfindet die Vormachtstellung Chinas in der Produktion und Kontrolle von Hochtechnologiemetallen als besonders kritisch und sieht hier Handlungsbedarf der Politik entgegenzuwirken. In der hohen Wertschöpfung sieht Diercks zugleich Fluch und Segen zugleich, da mit dem Wohlstand vielfach Versorgungsängste verloren gehen.