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Steine in der Stadt Freiberg animierten zum näheren Hingucken und Verstehen

Ist es wirklich nötig, chinesischen Granit zu verlegen, nur weil er jetzt schon jene Färbung zeigt, die die Patina eines Lausitzer Granits ausmacht ? Ist die materialsichtige Bauweise – auch wenn dabei schöne Werksteine zu Tage treten – im rauhen Klima des Vorerzgebirges wirklich empfehlenswert ? Rutschen wir bald auf gesägtem Natursteinpflaster aus ? Wie steht die Stadt zu den Denkmälern Ihrer einstigen Förderer und Gönner; und wie ansprechend ist moderne Kunst im historischen Stadtbild ? Aber es gab nicht immer nur Kopfschütteln: Viele gelungene Bauwerke, die an das historische Original unter Wahrung moderner Nutzung entstanden sind, prägen diese Stadt ebenso wie die Bewahrung vieler Natursteinfassaden durch Bauherren, die sich weniger am Renditedenken als an der Liebe zum Bauwerk orientieren. Davon zeugte - gewissermassen der Leitspruch des Tages, eine Widmung in einem Steinrelief aus Rochlitzer Porphyrtuff an einem Geschäftsbau von 1929/30: " Mit Liebe erdacht, mit Hoffnung erbaut, mit Glück vollendet".

Welche geschichtlichen Traditionen und Formensprachen hierzu Hintergrund darstellen, darüber referierte Dr. Wolfgang Reimer in seinem Eingangsvortrag zu „Karbonatgesteinen in Kunst und Architektur – eine Reise durch 1000 Jahre mitteldeutsche Baugeschichte". Sichtlich "bewegt" schieden die Teilnehmer am Ende der Veranstaltung; der Wunsch nach einer Wiederholung war laut zu hören.

Kaleidoskop

  

 Alle Bilder: Reimer, Dresden

 

 

Hintergrund

In Zeiten einer vielfach eher nüchternen und sparsamen Bauweise bestimmen Glas und Beton und eine auf die reine Notwendigkeit reduzierte („Abschreibungs-„) Architektur das neuzeitliche Stadtbild. Damit kontrastieren zwangsläufig künstlerisch wie materialseitig aufwendig gestaltete Bauten, deren liebevolle Restaurierung Zeugnis von der Sehnsucht des Menschen nach kultureller Reife und Anspruch ablegt. Der Naturstein war und ist hier immer das verbindende Medium, das es sich am Beispiel alter wie neuer Bauwerke zu studieren lohnt. Die unter Leitung von Prof. Dr. Johannes Schröder von der TU Berlin gegründete Initiative „Steine in der Stadt“ greift diese Thematik in ihrer systematischen, grundsätzlichen Ansprache auf und verschreibt sich dem Dokumentieren und „Augen-Öffnen“ auf wertvolle Zeitzeugen im wahrsten Sinne des Wortes „steingewordener“ Architektur im ganzen Land.

Die Erfahrung in Berlin zeigt: Nicht nur Geowissenschaftler, Architekten und Steinmetze interessieren sich dafür, sondern auch eine breite Öffentlichkeit. Insofern beteiligt sich der Geokompetenzzentrum Freiberg e.V., als Ausrichter des „Mitteldeutschen Natursteintages“ und Mitglied im Berliner Netzwerk “Steine in der Stadt“ in Zusammenarbeit mit dem Landesinnungsverband des Steinmetz- und Bildhauerhandwerks Sachsen, gern an dem „Tag der Steine in der Stadt“ mit einem eigenen Beitrag in Freiberg.


Das Programm spricht Laien wie Fachleute gleichermaßen an: Ein Einführungsvortrag sensibilisiert den Zuschauer auf die kunstgeschichtliche Bedeutung, die Werksteine in Kunst- und Architektur im mitteldeutschen Raum spielen, dargestellt am Beispiel von Karbonatgesteinen. Die Stadtexkursion im Anschluß führt sie durch die Freiberger Altstadt zu den stadtgeschichtlich bedeutenden Bauten und Werkstein-Zeugnissen hoher bergmännischer, bildhauerischer und architektonischer Kunst.

 

Die Veranstaltung wurde freundlicherweise unterstützt von: